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Herr Geier, kennen Sie eigentlich den FK Aktobe? Den Namen hab' ich schon mal gehört. Aber ich komme gerade nicht darauf.
Der FK Aktobe liegt momentan aussichtsreich auf Platz zwei der Premier Liga von Kasachstan, ist also ein potenzieller Gegner des FC Bayern im nächsten Jahr Europa League. Malen wir mal den Teufel an die Wand: Die Bayern spielen nächstes Jahr in dieser Liga. Werden Sie und die anderen Fanclub-Mitglieder zum Auswärtsspiel nach Kasachstan fahren?
Ich würde auch nach Kasachstan fahren, klar. Als Fan darf man das ja eigentlich gar nicht sagen, aber so gesehen würde ich es gar nicht so schlimm finden, wenn die Bayern mal ein Jahr in der Europa League sein würden. Die großen Stadien in Madrid, Barcelona und Mailand kennen wir ja alle schon. Deshalb wäre es für uns doch auch interessant, auch mal andere Stadien in anderen Ländern zu sehen.
Dass es nicht so weit kommt und die Bayern doch noch die Champions-League-Qualifikation, also Platz drei, erreichen, wurde letztes Wochenende Trainer Louis van Gaal entlassen. Bringt das noch was?
Ich bin fest davon überzeugt, dass der FC Bayern die Quali noch schafft, mit welchem Trainer auch immer. Trotzdem: Die Art und Weise, wie mit van Gaal umgegangen worden ist, finde ich nicht in Ordnung. Wenn, dann hätte man ihn gleich nach dem Hannover-Spiel entlassen müssen. Ihn so kurz vor Saisonende zu feuern, ist meiner Ansicht nach schlechter Stil. Aber jetzt sind die Spieler gefragt, sie müssen beweisen, was sie drauf haben. Schließlich haben sich ja einige beschwert, dass sie unter van Gaal ihre Leistung nicht bringen können und keine Freude mehr am Fußballspielen haben. Deshalb bin ich auch sicher, dass die ein ganz anderes Spiel zeigen werden am Sonntag. Es geht schließlich auch um ihre Ehre.
Weinen Sie Louis van Gaal eine Träne nach?
Es ist schade um so einen Trainer. Was man schnell vergisst: Er hat in der ersten Saison vieles richtig gemacht. Die Bayern sind Meister geworden, haben den DFB-Pokal geholt und waren im Finale der Champions League. Da war es aus seiner Sicht eigentlich nur konsequent, dass er keine neuen Spieler für die neue Saison verpflichtet hat. Das Pech war einfach, dass zwei so brutal wichtige Spieler wie Robben und Ribéry ausgefallen sind und andere Spieler von der WM geschwächt zurück kamen. Und dann ist es zum Zerwürfnis mit Uli Hoeneß gekommen. Der neue Trainer Jupp Heynckes ist ja ein enger Freund von Hoeneß -- da weiß man, wer künftig die Mannschaft zusammenstellt... Heynckes ist sicherlich ein guter Trainer, aber es hätte auch bessere gegeben.
Und Ihre Meinung zu Andries Jonker, der bis Saisonende vorübergehend Trainer ist?
Er ist eigentlich in keiner so schlechten Situation. Seine Aufgabe wird in erster Linie sein, die Spieler bei Laune zu halten und ihnen wieder Spielfreude zu vermitteln. Wenn er die Champions-League-Qualifikation schafft, wird er auch für andere Vereine interessant sein. Wenn nicht, wird ihm auch niemand Vorwürfe machen. Schließlich kann er in so kurzer Zeit auch nicht die Welt verändern.
Heiß diskutiert wird derzeit auch die Torwartfrage. Wer ist denn die richtige Nummer eins für den FC Bayern?
Ganz klar, Manuel Neuer. Wenn der FC Bayern die Chance hat, so einen super Torwart zu kriegen, muss er zugreifen. Er gehört zu den besten Torhütern der Welt. Ich habe bei der letzten Mitgliederversammlung mal eine Umfrage gestartet, wer für Neuer ist. Von den 100 Leuten waren nur drei gegen ihn. Allerdings ärgert es mich schon, wie mit Thomas Kraft umgegangen wird. Ich finde es richtig, dass van Gaal auch einem Ersatztorwart eine Chance gibt. Ist doch klar, dass da auch Fehler passieren, aber ich finde, Thomas Kraft hat immer eine gute Leistung gezeigt. Dass man in einem halben Jahr kein Olli Kahn ist, ist logisch.
Was sagen Sie dazu, dass die Fans im Stadion den Präsidenten Uli Hoeneß zuletzt auf Plakaten ziemlich unflätig beschimpft haben?
Das war natürlich überhaupt nicht in Ordnung. Aber andererseits hat man daran gesehen, dass Uli Hoeneß gut austeilen, aber keine Kritik einstecken kann.
Am Sonntag geht es nun ausgerechnet gegen Bayer Leverkusen -- mit dem künftigen Bayern-Coach Jupp Heynckes auf der Bank. In dessen Haut möchten Sie wohl auch nicht stecken, oder?
Nicht unbedingt. Es ist echt eine undankbare Sache für ihn. Heynckes hat ja noch die Chance auf die Meisterschaft mit Leverkusen, deshalb wird die Mannschaft alles geben. Wenn er in München natürlich drei, vier gute Spieler draußen lassen würde, würde man gleich sehen, auf welcher Seite er steht (lacht). Aber im Ernst, ich glaube, dass es bis zum letzten Spieltag spannend bleibt und es sich dann erst entscheidet, wer den Titel holt und wer in der Champions League spielt. Es kann durchaus auch für Dortmund nochmal knapp werden. Ein Kribbeln ist natürlich bei jedem Spiel da, aber am Sonntag wird es besonders interessant.
Was schmerzt Sie eigentlich mehr? Dass der FC Bayern in dieser Saison ohne Titel bleibt -- oder dass ein jordanischer Milliardär den TSV 1860 München vor der Pleite rettet?
Ganz ehrlich, das zweite tut mehr weh. Dass der FC Bayern diese Saison nichts gewinnt, kann man verschmerzen. Als echter Bayern-Fan weiß man, dass wir bald wieder Titel holen werden. Dieses Jahr war halt ein Arbeitsjahr, nächstes Jahr schaut es wieder ganz anders aus. Das gehört zum Fan-Sein dazu. Das mit den Sechzigern dagegen kann ich nicht verstehen. Das ist doch eine Sparbüchse ohne Boden! Aber, gut -- wenn der Mann das Geld zum Fenster rauswerfen will, bitteschön. Für den FC Bayern ist es nicht schlecht, wenn er einen Teil seines Geldes zurückbekommt. Aber ich hätte es auch nicht so schlimm gefunden, wenn die Sechziger von der Bildfläche verschwunden wären. Da bin ich dann doch zu sehr auf der roten Seite.
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